Die Offene Versorgung
Früher war man der Meinung, die Technik kann alles. Heute hat man entdeckt, dass kleine Modifikationen am Ohrstück großen Einfluss auf den Klang und die Akzeptanz von Hörgeräten haben kann.
Die Offene Versorgung bedeutet, der Gehörgang bleibt möglichst offen. Diese Maxime wurde lange gepredigt und war doch oft umstritten. Jetzt ist sie wieder in aller Munde und hat endlich den Stellenwert, den sie verdient. Seit vielen Jahren ist sie Ausbildungsinhalt des Hörgeräteakustikers. Leider wurde sie in der Vergangenheit oft vergessen. Umfragen zur Akzeptanz von Hörgeräten scheinen dies zu bestätigen. Jetzt endlich hat sich der Vorteil der offenen Versorgung in der Praxis erwiesen. Sie vermindert den Okklusionseffekt, den unnatürlichen Klang der eigenen Stimme und die viel zu lauten Kaugeräusche und Umgebungsstörgeräusche beim Tragen von Hörgeräten. Die offene Versorgung ist auch mit klassischen Ohrstücken zu praktizieren. Allerdings ist sie nicht mit jedem Hörgerät machbar, da viele Geräte aufgrund von Hörerresonanzen (Lautsprechern) und schlechten Gummilagerungen viel zu früh koppeln (pfeifen). Fast alle Hersteller bieten mittlerweile dünne Schallschlauchsysteme an, die nicht nur eine offene Versorgung leichter machen, sondern auch kosmetisch das Hinter-dem-Ohr-Gerät akzeptabel machen. Diese Geräte sind praktisch nicht mehr sichtbar.
Konsequent eingesetzt, sichert die offene Versorgung, da wo sie sinnvoll möglich ist, die Akzeptanz in der Erstversorgung und die Sprachverständlichkeit in starken Umgebungsgeräuschen, ohne die Notwendigkeit komplizierter Technik. Mit einfachen Hörgeräten sollte eine Hochtonversorgung bis 60 Dezibel bei 4 KHz ohne Probleme machbar sein.
Mit einer Rückkopplungsunterdrückung gegen lästiges Pfeifen, lässt sich dieser Wert von 60 dB noch einmal nach oben verschieben. Allerdings wird dadurch in den meisten Fällen, abhängig vom Gerät, die Natürlichkeit des Signals verändert.
Durch die kommerzielle Vermarktung der offenen Versorgung ist ein erster Schritt zu einer besseren Akzeptanz von Hörgeräten in der Bevölkerung getan worden. Der kosmetische Vorteil wird das Seinige dazu beitragen. Dies wird sich in den nächsten Jahren sicherlich in einer steigenden Anzahl von verkauften Hörgeräten bemerkbar machen.



